„Wenn ich keine rote Nase trage, bin ich Mama von zwei Teenager-Mädels, singe im Bachchor Ravensburg und im Vokalensemble diapasón und lebe mit meiner Familie und unserem Kater im Süden von Ravensburg. Ursprünglich bin ich Krankenschwester. Ich war Stationsleitung auf der Inneren Onkologie und Palliativeinheit im Elisabethenkrankenhaus. Dort habe ich zum ersten Mal gemerkt, was Humor in schweren Situationen bewirken kann. Später habe ich in Ravensburg die Clownschule gemacht, danach die Klinikclown-Ausbildung. Im Verein ravensburger clowns e. v. bin ich seit 2016. Die rote Nase hilft mir. Wenn ich sie aufhabe, bin ich Lilly Lavendel und nicht mehr Ute. Wir gehen immer zu zweit in die Visite. Wenn wir einen Raum betreten, heißt es: Erst mal gucken. Spüren. Wer möchte Kontakt? Wer eher nicht? Viele kennen uns schon und strahlen. Manche denken: Oh Gott, was wollen die denn hier? Auch das ist in Ordnung. Wir wollen niemandem etwas überstülpen. Alles kann, nichts muss.
Viele denken bei Clowns an Kinder. Wir sind aber vor allem in Seniorenheimen, Hospizen und sozialen Einrichtungen unterwegs. Gerade bei älteren Menschen ist Musik oft mein Schlüssel. Ich habe eine Gitarre dabei und viele Volkslieder im Kopf. Manchmal weiß jemand nicht mehr, wie er heißt, aber die zweite Strophe kommt plötzlich. Dabei ist Humor natürlich kein Allheilmittel. Ich würde eher sagen: ein Grundbedürfnis. Lebensqualität. Es sind die kleinen Begegnungen. Ein Lächeln. Eine Hand. Ein Mensch, der sich erinnert. Manchmal auch die Erleichterung, wenn Angehörige merken: Ja, man darf auch in der Trauer kurz lachen. Ich gebe auch Humorworkshops für Menschen aus dem Sozialbereich. Reich wird man mit meinem Job nicht. Wir sind ein Verein. Zwar bekommt jeder Klinikclown ein Honorar, aber die Finanzierung, das Spendensammeln: Das mache ich ehrenamtlich. Mein Wunsch? Dass Clownvisiten irgendwann ganz selbstverständlich dazugehören. Auf Rezept vielleicht. Denn wenn es der Seele gut geht, verkraftet sie Defizite besser. Und manchmal reicht dafür eine rote Nase, ein Lied, ein Lächeln und ein bisschen Leichtsinn.“
Bring Lachen in die Region


