UNTERSTÜTZUNG VOM DIGITALEN ZWILLING
Mithilfe von Software und statistischen Daten über eingesetzte Netzbetriebsmittel wird nach und nach der sogenannte digitale Zwilling aufgebaut. Darunter versteht man ein virtuelles Modell der tatsächlichen Netzstruktur. Anhand des Modells können der Stromfluss berechnet und verschiedene Auswertungen und Vorhersagen getroffen werden. Das ist eine wichtige Grundlage für Entscheidungen, denn das Stromsystem ist sehr komplex – Tendenz durch kleinteilige private Anlagen zur Einspeisung und Entnahme steigend.
Es ist günstiger, jetzt in Analyse- und Steuermöglichkeiten zu investieren, als flächendeckend dickere Kabel zu verlegen und die Infrastruktur aufzurüsten – vielleicht auch in Bereichen, in denen es gar keine Engpässe gibt. „Kurzfristig geht es darum zu verstehen, wie das Netz ausgelastet ist und wie die Ausbauplanung sein sollte. Langfristig werden wir auch steuernd eingreifen, weil es viel zu teuer ist, das Netz für jede mögliche Auslastungssituation auszubauen“, sagt Simon Scholz, Abteilungsleiter Netze der TWS. Und hier ist der digitale Zwilling bisherigen Netzsimulationen überlegen, weil er Echtzeitdaten integrieren kann und eine bedarfsgerechte Steuerung erst möglich macht. Bereits seit Januar 2024 ist es gesetzlich vorgeschrieben, bestimmte neu in Betrieb gehende Verbrauchseinrichtungen steuerbar zu machen. Das intelligente Messsystem ist eine wichtige Voraussetzung dafür. Zu den betroffenen Verbrauchseinrichtungen gehören zum Beispiel Wärmepumpen, private Wallboxen, Kälte- und Klimageräte oder Stromspeicher, die auch Strom aus dem Netz beziehen können. Diese Geräte laufen in der Regel sowieso nicht die ganze Zeit mit voller Leistung und viele haben dadurch eine natürliche Flexibilität. Im Gegenzug für die Steuerbarkeit reduziert sich das Netzentgelt für den:die Betreiber:in der steuerbaren Verbrauchseinrichtung – also eine Win-win-Situation. Simon Scholz: „Wann wir tatsächlich in die Steuerung gehen werden, hängt von den Netzsträngen ab. Neubaugebiete zum Beispiel sind bereits so dimensioniert, dass eine Steuerung nicht oder erst später nötig sein wird. Genaueres wissen wir, wenn wir tatsächlich die Daten vorliegen haben. Fest steht schon heute, dass sogenannter allgemeiner Haushaltsstrom beispielsweise für Licht, Waschmaschine, Spülmaschine oder Wasserkocher nicht von der Steuerung betroffen ist.“

„Mit dem digitalen Zwilling können wir Prognosen erstellen, Engpässe erkennen, den Netzausbau steuern und dadurch mittelfristig Geld sparen.“
Dr. Jonas Fluhr
Abteilungsleiter Unternehmensentwicklung und Projektleiter DIGIS
DYNAMISCHE STROMTARIFE
Nicht nur im Netz, sondern auch bei den Stromtarifen schreitet die Flexibilität voran. Seit dem 1. Januar 2025 sind Stromanbieter gesetzlich verpflichtet, einen dynamischen Stromtarif anzubieten. Gemeint ist damit ein Tarif, bei dem der Preis pro Kilowattstunde sich nach dem aktuellen Börsenpreis richtet – abhängig von Angebot und Nachfrage. Ziel der TWS ist es, langfristig attraktive Angebote für Kund:innen zu schaffen. Sinnvoll ist zum Beispiel die Kombination des dynamischen Stromtarifs mit den Komponenten Photovoltaik, Wärmepumpe, Elektrofahrzeug und Wallbox plus Energiespeicher. Dann regelt ein intelligentes System alle Komponenten nach den Präferenzen des Nutzers optimal und bezieht günstigen Strom, wenn er verfügbar ist. Das bietet die TWS zum Beispiel mit dem twsÖkoenergiehaus an.

Netzwerker mit Weitblick: Dr. Jonas Fluhr