Vor 25 Jahren wurde aus den Stadtwerken Ravensburg und Weingarten die TWS

Silberhochzeit zweier Stadtwerke

vom 8. Apr. 2026
Autor: Meike Winter
Fotos: Felix Kästle, Don Ailinger
© Felix Kästle
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Es war der Beginn einer großen Reise ins Ungewisse, als im Dezember 2000 die Städte Ravensburg und Weingarten beschlossen, die Zukunft der Energieversorgung in der Region gemeinsam zu gestalten. Die Technischen Werke Schussental (TWS) wurden gegründet und gingen zum 1.1.2001 an den Start um Energie- und Versorgungsaufgaben langfristig sicher, nachhaltig und regional zu organisieren. Seither steht das Unternehmen für ein konsequent klimafreundliches und innovatives Versorgungskonzept, das weit über die klassische Rolle zweier Stadtwerke hinausgewachsen ist.

In einer Zeit tiefgreifender Veränderungen – von der Liberalisierung des Energiemarktes über den Ausbau erneuerbarer Energien bis zur Digitalisierung der Netze – hat die TWS wichtige Chancen genutzt und sich zu einem unverzichtbaren regionalen Akteur der Energiewende entwickelt. Die TWS versorgt Haushalte und Unternehmen mit Ökostrom, Gas, Wärme und Trinkwasser und gestaltet die Energiewende vor Ort aktiv mit – gemeinsam mit Bürger:innen, Kommunen, Politik und Wirtschaft. Der Rückblick nach einem Vierteljahrhundert zeigt, wie die TWS nach den ersten Schritten in neuer Struktur rasch an Fahrt gewann und heute bereits die Weichen für die Zukunft stellt.

Zu Beginn der 2000er Jahre glich der Energiemarkt einem schwerfälligen Tanker. Strom kam aus der Steckdose, die Rechnung von den Stadtwerken. Neue EU-Richtlinien öffneten den Markt, trennten Erzeugung, Netzbetrieb und Vertrieb und erhöhten den Wettbewerbsdruck. Während viele Versorger zögerlich reagierten, bündelten Ravensburg und Weingarten ihre Kräfte, um die Versorgung gemeinsam effizienter und zukunftsfähiger zu gestalten. Versorgungssicherheit, Kostenstabilität und regionale Wertschöpfung sollten bewusst in kommunaler Hand bleiben.

Frühe Weichenstellung
Nach der Gründung übernahm die TWS zügig erste Betriebsführungen und baute ihr Netz- und Versorgungsportfolio kontinuierlich aus. 2007 folgte mit der TWS Netz GmbH die Gründung einer eigenen Netzgesellschaft für Strom, Gas und Wasser – ein zentraler Schritt, um Infrastrukturen professionell zu betreiben und für technologische Entwicklungen zu rüsten.

„Die TWS macht von Anfang an aus, dass wir Ökologie und Ökonomie zusammenbringen.“

Dr. Andreas Thiel-Böhm 
Geschäftsführer

2008 startete die TWS den Stromvertrieb – konsequent mit Ökostrom. Zu dieser Zeit war grüner Strom noch ein Nischenthema, verbunden mit viel Idealismus und dem Wunsch der Verbraucher:innen nach mehr Transparenz. 2009 folgten erste eigene Erzeugungsprojekte wie der Kauf des Windparks Lonsee sowie einer Photovoltaik-Freiflächenanlage in Denkingen. Damit entwickelte sich die TWS zunächst vom reinen Versorger zum Energieproduzenten.

Entwicklung zum Infrastrukturpartner
Heute verbindet die TWS ihre Grundwerte Regionalität, Menschlichkeit, Nachhaltigkeit, Innovation und Fairness mit konkreten Lösungen für die Region. 25 Jahre nach der Gründung ist sie ein etabliertes Infrastruktur- und Dienstleistungsunternehmen. Wiederholte Auszeichnungen als „Top-Lokalversorger“ bestätigen diesen Weg. Das Portfolio reicht über Strom, Gas, Wasser und Wärme hinaus und umfasst unter anderem Wärmecontracting, Kälte- und Lüftungstechnik sowie technische und kaufmännische Betriebsführungen für kommunale Einrichtungen. Auch Mobilitätsangebote und die Straßenbeleuchtung gehören dazu. Seit 2012 ist die TWS an der TeleData GmbH beteiligt. Aus frühen Kooperationen im Breitbandausbau entstand eine Beteiligung, über die heute Glasfaser-, Internet- und Datendienste in Oberschwaben und am Bodensee angeboten werden.

Bürgerbeteiligungen – Entwicklung gemeinsam gestalten
Für die Energiewende im ländlichen Raum ist Akzeptanz entscheidend. Deshalb setzt die TWS seit 2013 auf Bürgerbeteiligungen. Mit Genussrechten wurde der Aufbau einer eigenen Ökostrom-Erzeugungssparte finanziert – bis dahin das größte Investitionsprojekt der Unternehmensgeschichte. Die Menschen in der Region können sich so direkt am Unternehmen beteiligen und den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützen. Bei der vierten twsBürgerbeteiligung 2024 wurde das Volumen aufgrund hoher Nachfrage von 10 auf 15 Millionen Euro erhöht – ein starkes Vertrauenssignal.

„Mehr als je zuvor wird die TWS
durch die Beteiligungen zum Bürger-unternehmen. Gemeinsam sichern
wir die zukünftige Energieversorgung.“

Helmut Hertle,
Geschäftsführer

Erfolge in Zahlen
Im Jahr 2024 erzielte die TWS einen Umsatz von 215,45 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 7,6 Millionen Euro. Die Anteilseigner – die Städte Ravensburg, Weingarten und die EnBW – erhielten Ausschüttungen von rund 5 Millionen Euro. Mit über 300 Mitarbeitenden ist die TWS ein bedeutender Arbeitgeber der Region. Neben der Stromversorgung rücken Wärmenetze und die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung stärker in den Fokus. Der Ausbau der Fernwärme, Wärmecontracting sowie geothermische Projekte stehen weit oben auf der Agenda. Im Mobilitätsbereich bündelt die TWS Elektromobilität, Ladeinfrastruktur und Betriebsmanagement. Damit stärkt sie ihre Rolle als ganzheitlicher kommunaler Dienstleister, der Energieversorgung, Lebensqualität und Klimaschutz verbindet.

Visionen umsetzen
Die Gründung der TWS im Dezember 2000 beruhte auf einer gemeinsamen Vision der Städte Ravensburg und Weingarten. Energie sollte zuverlässig, nachhaltig und regional verankert sein. Maßgeblich geprägt wurde dieser Prozess von Hans Georg Kraus, damaliger Erster Bürgermeister von Ravensburg, und Gerd Gerber, damaliger Oberbürgermeister von Weingarten. Gemeinsam mit den kommunalen Gremien erkannten sie die Synergien beider Stadtwerke und nutzten diese gezielt, um Versorgungssicherheit zu stärken und Innovation zu ermöglichen.

Das Beispiel der TWS zeigt, wie wichtig partnerschaftliches Handeln, klare Visionen und die enge Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung, Unternehmen und Mitarbeitenden für den Erfolg kommunaler Infrastrukturprojekte sind.

„Die TWS ist ein guter, sicherer Energieversorger. Sie erbringt viele Dienstleistungen für die Städte und die Gemeinden im Umland und verbindet die Region.“

Hans Georg Kraus,
ehemaliger Erster Bürgermeister der Stadt Ravensburg

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