Die hebammerei
Sie eröffnen den Raum und die Chance, eine neue Geburtskultur zu denken und zu leben
Die beiden Geschäftsführerinnen der hebammerei, Hebamme Antonia Göggerle-Locher und Sabine Grath, setzen sich für ein einzigartiges Geburtshaus als Ort der Begegnung und ganzheitlichen Begleitung ein.
© Don Ailinger
vom 2. Apr. 2025
Autor: Sandra Huth
Fotos: Don Ailinger

„Wir haben beide eine tiefe Verbindung zur Geburtshilfe – und diese Idee, die uns nicht mehr loslässt: ein Geburtshaus als Begegnungsort. 2015 haben wir uns über den Elternverein kennengelernt, der sich für eine bessere Geburtsbegleitung einsetzt. Als zunehmend Geburtsstationen in der Region geschlossen wurden, entstand die Idee, ein Geburtshaus zu gründen: das einzige im Umkreis von 60 Kilometern. Also wurde 2020 unser Projekt ins Leben gerufen – mit uns beiden als Projektleiterinnen. Was uns antreibt, ist die Vorstellung einer ganzheitlichen Betreuung. Wir begleiten die Frauen nicht nur durch die Geburt, sondern auch davor und danach – von der achten Schwangerschaftswoche bis zum Ende der Stillzeit, manchmal sogar darüber hinaus. Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen werdenden Müttern, ihren Partnern und den Hebammen – das ist das Herzstück unserer Arbeit. Wir sind ein eingespieltes Team von acht Hebammen, das sich rund um die Uhr um unsere Familien kümmert. Dabei arbeiten wir eng mit den regionalen Kliniken zusammen. Aber es gibt auch Herausforderungen. Es fehlt an Hebammen, die Arbeitsbedingungen sind anspruchsvoll, und die Bezahlung spiegelt nicht die Verantwortung wider, die wir tragen.

Unser großes Ziel ist die Eröffnung unseres neuen Geburtshauses in Weißenau. Als wir das Waschhaus fanden, war es Liebe auf den ersten Blick. Ein städtisches Gebäude mit Geschichte, das ursprünglich als Waschhaus für die Weißenauer Klosteranlage genutzt wurde. Der Umbau ist ein langer Prozess, vor allem, weil die Baukosten explodierten. Letztlich gelang es uns, eine Kooperation mit einer Investorengruppe einzugehen, die das Gebäude für uns saniert – minimalinvasiv und nachhaltig. Mit uns als Mieter. Unser neues Geburtshaus soll ein großes Netzwerk schaffen und eine zentrale Anlaufstelle in der Region werden, die meinungsbildend und gesellschaftlich relevant ist. Mit Angeboten von externen Partner:innen wie Yogalehrerinnen oder Coaches für Bildung und Aufklärung. Es ist unser Traum, diesen Ort für die kommenden Generationen zu etablieren, als einen Platz, an dem jede Frau selbstbestimmt gebären kann.“

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