Dominik Lucha
Der Medienproduzent macht Alltagsrassismus sichtbar
Der Ravensburger Dominik Lucha hat das Instagram-Projekt „Was ihr nicht seht“ ins Leben gerufen, das alltägliche Rassismuserfahrungen sichtbar macht. Diesem folgen heute mehr als 130.000 Menschen.
© Don Ailinger
vom 19. Feb 2022
Autor: Stefan Blank
Fotos: Don Ailinger

„Wenn ich danach gefragt werde, wo ich herkomme, sind viele unzufrieden, wenn ich antworte: Ich komme aus Ravensburg. Denn eigentlich erwarten sie etwas anderes. Die ständige Frage nach der Herkunft ist nur ein Aspekt von vielen, der deutlich macht, dass wir alle rassistisch sozialisiert sind. Wir haben Vorurteile aus unserem Lebensumfeld in unser Glaubenssystem übernommen. Das ist vielen Menschen zwar nicht klar, aber daran gilt es zu arbeiten.

Ich lebe in Berlin, aufgewachsen bin ich in Ravensburg und selbstverständlich bis heute mit dem Ort und den Menschen verbunden. Auch ich habe rassistische Erfahrungen gemacht, diese aber oft mit mir selbst ausgemacht. Im letzten Jahr haben zwei Dinge für mich alles verändert: die Schwangerschaft meiner Freundin und der Mord an George Floyd. Von einem auf den anderen Moment war eine Frage bestimmend: Wie soll ich das jemals meinem Sohn erklären? Das war der Moment, in dem ich vom schwäbischen jungen Mann zum schwäbisch-afrokaribischen, schwarzen werdenden Vater wurde. Und als der konnte ich nicht mehr nichts tun. Also habe ich schwarze Menschen ganz gezielt nach ihren Erfahrungen gefragt. Damit weiße Menschen verstehen – und hoffentlich gemeinsam im Dialog mit uns für eine antirassistische Zukunft kämpfen.

Klar ist: Es reicht nicht, neutral zu sein. Wir müssen zu Antirassist*innen werden und das beginnt bei unseren Kleinsten, im Kindergarten, in den Schulen, hört dann aber nicht auf, sondern muss konsequent in den Köpfen bleiben. Den Mund auch bei scheinbar harmlosen Sprüchen aufmachen und dazwischengehen – das ist die Aufgabe von uns allen, als eine Gesellschaft mit all ihren schönen Facetten.“

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