So gelingt die Wärmeversorgung in Ravensburg und Weingarten

Zukunftssicher heizen

vom 7. Apr. 2026
Autor: Meike Winter
Fotos: Don Ailinger
© Don Ailinger
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Um die Zukunft der Wärmeversorgung ging es Anfang März bei einem Vortrag der TWS im Kunstmuseum Ravensburg. Gespannt hörten die Teilnehmer:innen, was Miriam Sepke-Vogt und Thomas Booch zum Stand der Dinge berichteten und stellten interessierte Fragen. Fazit des Abends: Die Wärmewende gelingt, wenn alle mitmachen und jetzt aktiv werden.

Steigende Energiepreise, ambitionierte Klimaziele und der gesetzliche Rahmen machen deutlich: Die Art, wie wir Gebäude beheizen, wird sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Ravensburg und Weingarten stellen sich dieser Herausforderung bereits mit einer umfassenden kommunalen Wärmeplanung und konkreten Maßnahmen für eine klimaneutrale Zukunft. Aber auch Hauseigentümer:innen sind bei wichtigen Entscheidungen in Sachen Gebäudesanierung und die Wahl der geeigneten Heizung gefragt.

„Wir sind schon mitten in der Transformation und können jetzt entscheiden, das auszusitzen oder aktiv zu werden und zu handeln.“

Thomas Booch,
Abteilungsleiter Wärmeservice & Energiedienstleistungen

Warum Wärme der Schlüssel zur Energiewende ist
Rund die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland entfällt auf Wärme – für Raumheizung, Warmwasser und industrielle Prozesse. In privaten Haushalten werden sogar etwa 70 Prozent der Energie allein für Raumwärme genutzt. Gleichzeitig stammt bislang nur ein geringer Anteil dieser Wärme aus erneuerbaren Quellen. In Ravensburg und Weingarten zeigt sich zudem ein hoher Sanierungsbedarf: Ein großer Teil der Heizungsanlagen ist bereits heute veraltet oder wird in den nächsten Jahren erneuert werden müssen. Doch die Verunsicherung ist groß – das zeigten auch die Fragen beim Vortrag Anfang März. Die aktuell angekündigten Änderungen des Gebäudeenergiegesetzes sowie Preissteigerungen für fossile Brennstoffe durch die politische Lage weltweit tragen dazu weiter bei.

Klarer Kurs Richtung Klimaneutralität
Die politischen Vorgaben lassen trotz weiterer Anpassungen keinen Zweifel am eingeschlagenen Weg: Baden-Württemberg hat sich im Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz das Ziel gesetzt, bis spätestens 2040 klimaneutral zu sein. Ein zentrales Instrument dafür ist die kommunale Wärmeplanung, die für größere Kommunen verpflichtend ist und regelmäßig fortgeschrieben wird. Parallel verändern sich die Regeln für Gebäudeheizungen. Die Verzahnung von Wärmeplanungsgesetz und Gebäudeenergiegesetz sorgt dafür, dass langfristig fossile Heizsysteme aus dem Markt gedrängt werden. Besonders wichtig: Erdgas wird in Zukunft deutlich teurer – nicht nur wegen steigender CO₂-Preise, sondern auch durch höhere Netzentgelte und die Verteilung der Kosten auf immer weniger Anschlussnehmer. Für Haushalte bedeutet das ein erhebliches finanzielles Risiko.

Wärmenetze und Wärmepumpen als tragende Säulen
Die Auswertung der kommunalen Wärmepläne in Baden-Württemberg bestätigt, dass Wärmenetze und Wärmepumpen die dominierenden Technologien sein werden. Biomethan und Holz spielen nur eine untergeordnete Rolle, Wasserstoff ist für den Gebäudebereich kaum relevant. Für Eigentümer:innen bedeutet das: Die Frage nach der „richtigen“ Heizung lässt sich zwar nicht pauschal beantworten, doch die Möglichkeiten sind überschaubar. Entscheidend sind Lage, Gebäudetyp, Sanierungszustand und die geplante Netzinfrastruktur im jeweiligen Quartier – nach heutigem Stand der Dinge sind dann der Anschluss an die Fernwärme oder eine geeignete Wärmepumpe die beiden zukunftsfähigen Wege.

„Was bisher sinnvoll war, ist weiterhin richtig.“

Miriam Sepke-Vogt,
Abteilungsleiterin strategische Netz- und Anlagenplanung

Ausbau der Fernwärme in Ravensburg und Weingarten
Ravensburg und Weingarten treiben den Ausbau der Fernwärme gezielt voran. Bestehende Netze werden verdichtet, neue Quartiere befinden sich in der Planung oder werden bereits schrittweise erschlossen. Parallel entstehen neue Erzeugungsanlagen, unter anderem durch die Nutzung von Abwärme und den Einsatz großer Wärmepumpen. Ziel ist es, die Wärmeversorgung bis 2040 vollständig klimaneutral aufzustellen. Die Ausbauplanung erfolgt in klar definierten Zeitabschnitten derzeit bis 2030. So ist für 2026 geplant, die Raueneggstraße, die Schulgasse und die Friedenstraße mit Wärmeleitungen zu erschließen. Für das Jahr 2027 sehen die aktuellen Planungen die Friedrich-Schiller-Straße, die Römerstraße und den unteren Teil der Bachstraße vor. Der tatsächliche Ausbau wird anschließend nach Bedarf der Gebäudeeigentümer:innen umgesetzt – wo entsprechender Bedarf vorliegt, wird ausgebaut, wo nicht, erfolgt in absehbarer Zeit auch kein Wärmenetzausbau. Die entsprechenden Gebäudeeigentümer:innen werden durch die TWS kontaktiert. Wer sich frühzeitig informiert, kann Investitionsentscheidungen besser auf die zukünftige Versorgung abstimmen. Und: Je mehr Menschen ihre Immobilie anschließen lassen, umso schneller wächst das Wärmenetz. Auf der Webseite der TWS können Inhaber:innen sehen, ob ihr Quartier für den Ausbau des Wärmenetzes vorgesehen ist und ihr Interesse
schon jetzt anmelden.

Alternative Heizmöglichkeiten
Nicht überall wird es Wärmenetze geben und die Eigentümer:innen stehen hier vor der Frage, welche Wärmeversorgung in Zukunft alle Punkte optimal erfüllt – von den Anschaffungs- und Folgekosten über die gesetzlichen Rahmenbedingungen bis hin zu persönlichen Präferenzen. „Eigentlich ist es gar nicht so kompliziert, denn die Wärmepumpe rechnet sich über die Betriebsdauer hinweg fast immer“, so Thomas Booch. Zwar seien die Anfangsinvestitionen höher, machten jedoch nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Gesamtkosten aus und würden noch bis mindestens 2029 durch Förderprogramme abgefedert. Welcher Wärmepumpentyp infrage kommt und inwieweit einfache Sanierungsmaßnahmen auch bei älteren Gebäuden die Effizienz verbessern, dazu beraten die TWS, die Energieagentur Oberschwaben oder die Fachbetriebe gerne. Tipp: Wer nicht gleich eine Wärmepumpe anschaffen möchte kann die twsWärmepumpe im planbaren Pachtmodell mieten – mehr dazu beim Thema twsÖkoenergiehaus.

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