Jürgen Allaut-Schlegel
Ravensburgs Tanzprofi zwischen Apotheke und Ehrenamt: Salsa in der Vesperkirche
Er war bei „Let’s Dance“, gewann den Deutschlandpokal – war Stadtrat und Schirmherr der Vesperkirche. Jürgen Allaut-Schlegel über Ravensburg als Heimathafen, Gerechtigkeitssinn und den einen Ort für alle.
© Don Ailinger
vom 2. Apr. 2026
Autor: Sandra Huth
Fotos: Don Ailinger

„Ich hab nie geplant, eine Tanzschule aufzumachen. Das ist eher so … passiert. Ich war Profitänzer. Turniere, Training, dieser ganze Kosmos. Und dann kam ‚Let’s Dance’ auch nicht mit großem Masterplan, sondern weil meine damalige Partnerin verletzt war und der Pressereferent Joachim Llambi meinte: ‚So, Jürgen, jetzt bewirbst du dich!’ Ich bin zum Casting, eine Woche später hieß es: Du bist dabei. Das war schon … gigantisch! Klar, so eine Show ist ein Sprungbrett. Plötzlich kommen Anfragen für Vorträge und Workshops. Und Paare, die sagen: ‚Wir wollen mal auf höherem Niveau trainieren.’ Die fahren aus der Schweiz, aus Österreich und Ulm wöchentlich in mein Studio, weil ich hier der einzige Tanzsporttrainer mit A-Lizenz bin. Die größte Freude machen mir gerade meine Hobbytänzer. Weg aus Ravensburg wollte ich nie!

Einen Tag die Woche stehe ich als Pharmazeutisch-technischer Assistent in der Vetter-Apotheke. Ich mag dieses strukturierte Arbeiten im Labor. Am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat. Und ja, ich war auch mal Stadtrat. Meine Kindheit war kein Zuckerschlecken – aber sie hat mich Gerechtigkeit und Akzeptanz gelehrt. Ich nehme jeden Menschen, wie er ist. Deshalb passt die Ravensburger Vesperkirche auch so zu mir. Dieses Jahr waren mein Mann Thomas und ich Schirmherren. Pfarrer Ralf Brennecke, der uns im vergangenen August getraut hat, hat uns gefragt, ob wir das Amt übernehmen möchten. Dazu gehört: Eröffnungsrede halten, vor Ort unterstützen und Werbung machen. Man schafft einen Ort für alle. Drei Wochen lang gab es warme Mahlzeiten, Kaffee und Kuchen in der beheizten Evangelischen Stadtkirche, dazu kulturelles Programm, Arztsprechstunden, kostenlose Haarschnitte. Wenn Menschen, die es sich leisten können, zur Vesperkirche kommen und ein bisschen mehr geben, finanzieren sie damit diejenigen mit, die eben nichts zahlen können. Und menschlich passiert noch mehr: Du setzt dich irgendwo dazu, kommst ins Gespräch, hörst Schicksale. Manchmal geht’s gar nicht ums Geld, sondern darum, nicht allein daheim zu sitzen. Und dann passiert so was wie dieser Salsa-Workshop, den ich in der Kirche gegeben habe: voll bis in den Chor, Reihen voller Tänzer. Zuschauer sitzen vorne, hören der Musik zu und haben trotzdem ihren Moment. Alle gehen raus mit einem Lachen im Gesicht. Für mich ist das Ravensburg: nicht laut, nicht geschniegelt – sondern gemeinsam, wenn man’s zulässt.“

Ehrenamt? Lieben wir.

Danke an alle, die sich für unsere Heimat und andere einsetzen!

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN: