TWS-ENERGIEEXPERTE RALF GOSNER HAT DAS PLANSPIEL „DARE“ ENTWICKELT

Strommarkt verstehen

vom 17. Juli 2026
Autor: Meike Winter
Fotos: Felix Kästle
© Felix Kästle
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Mit erneuerbaren Energien, dynamischen Stromtarifen, Batteriespeichern und E-Mobilität wird der Strommarkt immer komplexer und interessiert längst nicht mehr nur Fachleute. Genau hier setzt das browserbasierte Planspiel „DARE“ an, das Ralf Gosner, Teamleiter Netzwirtschaft EEG, entwickelt hat. Es macht die Mechanismen des Energiemarkts spielerisch verständlich.

Mit dem digitalen Simulationsspiel erleben die Spieler:innen praxisnah, wie der Strommarkt funktioniert. Sie übernehmen unterschiedliche Rollen, etwa als Betreiber:innen von Kraftwerken, Windparks oder Speichern und handeln Strom an einer simulierten Börse. „Energiewirtschaft ist unglaublich komplex“, sagt Ralf Gosner, der selbst Energiewirtschaft studiert hat. „Mir hat damals im Studium ein einfaches Excel-Planspiel geholfen, zu verstehen, wie der Markt funktioniert. Daraus entstand die Idee, das Ganze moderner und interaktiver umzusetzen.“ DARE steht für „Day-Ahead Revenue Exchange“ und simuliert den kurzfristigen Stromhandel für den Folgetag.

Vom Hobbyprojekt zur realistischen Strombörse
Entstanden ist DARE Anfang 2026 zunächst als privates Nebenprojekt. „Ich habe Ende Februar angefangen und dann viele Abende und Wochenenden daran gearbeitet“, erzählt Gosner. Was ursprünglich als kleine Idee begann, entwickelte sich schnell zu einer aufwendig programmierten Simulation mit einem klaren Ziel: komplexe Marktmechanismen verständlich und greifbar zu machen. Im Spiel wirken deshalb zahlreiche Faktoren gleichzeitig auf den Markt ein: Wetterprognosen, Solar- und Windstrom, Kraftwerksausfälle, Speichermöglichkeiten oder das Verhalten der Verbraucher:innen.

„DARE“ orientiert sich bewusst an realen Börsenprozessen. Statt trockener Theorie erleben die Teilnehmer:innen unmittelbar die Folgen ihrer Entscheidungen. „Man lernt nicht nur die Marktmechanismen rund um den Energiehandel kennen, sondern versteht auch besser, welche Folgen die eigenen Handelsentscheidungen oder Strategien haben – auf die Märkte und auf den eigenen Geldbeutel“, sagt Gosner. Im Spiel wird beispielsweise deutlich, warum Strompreise zeitweise sogar negativ werden können: Produzieren Solar- und Windanlagen mehr Strom als verbraucht wird, reagiert der Markt unmittelbar darauf. Zur Zielgruppe des Spiels gehören deshalb vor allem Studierende, Fachleute und Menschen mit besonderem Interesse an Energiewirtschaft. Einer von ihnen ist der Energie-
experte und Blogger Dr. Jörg Hofmann, der selbst Strom aus seinem Batteriespeicher an der Börse vermarktet. Und auch erste Hochschulen haben bereits Interesse signalisiert. „Das Spiel eignet sich hervorragend als didaktisches Element“, sagt Gosner. Die Kommerzialisierung steht dabei nicht im Vordergrund: „Mein Ziel war, etwas zu entwickeln, das gut spielbar ist und Wissen vermittelt.“

„Wenn viel Sonne da ist, sinkt der Preis. Fällt ein großes Kraftwerk aus, wird Strom schnell teuer. Genau solche Zusammenhänge können die Spieler in DARE realistisch erleben.“

Ralf Gosner,
Teamleiter Netzwirtschaft EEG

TWS als Akteur am Markt
Bei der TWS arbeitet Gosner als Teamleiter Einspeisung in der Netzwirtschaft. Dort beschäftigt er sich unter anderem mit der Abrechnung erneuerbarer Energieanlagen: „Wenn jemand eine Photovoltaikanlage betreibt und Strom einspeist, dann läuft vieles davon über unser Team.“ Auch wenn er selbst nicht direkt im Energiehandel arbeitet, kennt Gosner die Mechanismen der Märkte genau. Und Netzbetreiber wie die TWS spielen bei Bilanzierung, Einspeisung und Systemstabilität eine zen-trale Rolle. Die Energiewende lässt sich im Planspiel verstehen und in der Realität bereits jeden Tag erleben. 

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