Mit dem Windpark Röschenwald wird die regionale Stromerzeugung aus Windenergie weiter ausgebaut. Was jetzt so einfach aussieht, ist das Ergebnis eines technisch anspruchsvollen Prozesses, der mit großer Sorgfalt Schritt für Schritt umgesetzt wird.
Die Windkraft Bodensee-Oberschwaben GmbH & Co. KG (WKBO) und die Alterric Deutschland GmbH haben die vier Windenergieanlagen im Röschenwald auf der Gemarkung der Gemeinde Wolpertswende errichtet. Für die Inbetriebnahme wurde jedes Windrad umfassend geprüft, eingestellt und unter realen Bedingungen getestet.
Ausführliche Tests
Die Gondel – das Maschinenhaus oben auf dem Turm – beherbergt unter anderem den Generator. Er wandelt die Drehbewegung der Rotorblätter in elektrische Energie um und ist das Herzstück der Anlage. Bevor das Windrad dauerhaft Strom liefern kann, wird dieser Generator justiert und mit der Steuerungstechnik abgestimmt. Eine weitere wichtige Rolle spielt das sogenannte Pitch-System. Es sorgt dafür, dass die Rotorblätter automatisch ihren Winkel zum Wind verändern können. Bei optimalem Wind stehen sie so, dass möglichst viel Energie aufgenommen wird. Wird der Wind zu stark, drehen sich die Blätter leicht aus dem Wind – die Anlage bremst sich aerodynamisch selbst. Zusätzlich verfügt jede Windenergieanlage über mechanische Bremssysteme. Sie greifen beispielsweise bei Wartungsarbeiten oder im Notfall. Beide Systeme werden intensiv getestet, bevor die Anlage freigegeben wird. Während des anschließenden Probebetriebs läuft das Windrad bereits unter echten Windverhältnissen, bleibt jedoch unter permanenter technischer Beobachtung. Sensoren messen Schwingungen, Temperaturen, Leistungswerte und viele weitere Parameter. Erst wenn sämtliche Messdaten verlässlich im vorgesehenen Bereich liegen, gilt die Anlage als technisch bereit für den Dauerbetrieb.
Stabil ins Stromnetz integriert
Ein weiterer entscheidender Schritt ist die Netzanschlussprüfung: Windenergieanlagen speisen ihren Strom ins öffentliche Netz ein. Damit das stabil bleibt, müssen Spannung und Frequenz exakt eingehalten werden. Gemeinsam mit dem Netzbetreiber wird deshalb überprüft, ob die Anlage netzverträglich arbeitet, also keine Schwankungen verursacht und auf Veränderungen im Netz korrekt reagiert. Erst wenn alle Prüfungen abgeschlossen, sämtliche Sicherheitsnachweise erbracht und die technischen Dokumentationen vollständig sind, wird die Anlage offiziell als „in Betrieb“ gemeldet. Im Röschenwald erfolgte dieser Prozess bewusst schrittweise – jede der vier Anlagen wurde einzeln gestartet, geprüft und freigegeben.
Saubere Energie für die Region
Mit dem erfolgreichen Start ist der Windpark nun ein fester Bestandteil der regionalen Energieversorgung. Die Anlagen erzeugen klimafreundlichen Strom für das Schussental und tragen messbar zur Reduzierung von CO₂-Emissionen bei. „Mit dem hier erzeugten Ökostrom lässt sich der Jahresbedarf von rund 11.000 Vier‑Personen‑Haushalten decken“, erklärt Helmut Hertle, Geschäftsführer der WKBO, einem Zusammenschluss der TWS, des Stadtwerks am See und der Stadtwerke Bad Saulgau. Er unterstreicht damit die Bedeutung der neuen Anlagen für die Region und für den Klimaschutz.
Windkraft hautnah erleben
Wer einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte, hat am 8. Mai Gelegenheit dazu. Anlässlich der Inbetriebnahme lädt die TWS zu einer Besichtigung des Windparks ein. Interessierte können die Anlagen aus nächster Nähe erleben und erfahren, wie moderne Windenergie funktioniert.
Neue Geschäftsführerin bei der WKBO
Die Windkraft Bodensee-Oberschwaben GmbH & Co. KG (WKBO) mit Sitz in Ravensburg hat seit dem 1. Januar 2026 vorübergehend eine zweite Geschäftsführerin: Katharina Schneider, Bereichsleiterin Unternehmensentwicklung, Prozesse und IT bei der TWS Netz GmbH, führt das Unternehmen seit dem Jahreswechsel gemeinsam mit Helmut Hertle. Sie hat schon vor ihrem Einstieg bei der TWS umfangreiches Know-how im Bereich Windkraft gesammelt. Mit der offiziellen Inbetriebnahme des Windparks Röschenwald im Mai wird Helmut Hertle sein Amt bei der WKBO abgeben und sich ausschließlich seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der TWS Netz GmbH widmen. „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, den Staffelstab zu übergeben, damit Katharina Schneider die künftigen Projekte von Anfang an betreuen kann“, so Helmut Hertle. Der 63-Jährige hat die WKBO seit ihrer Gründung im Juli 2012 erfolgreich als Geschäftsführer geleitet. An der WKBO beteiligt sind die TWS und das Stadtwerk am See mit je 45 Prozent sowie die Stadtwerke Bad Saulgau mit zehn Prozent.
