Die wichtigsten Fragen zur Windenergie kurz beantwortet

Faktencheck Windkraft

vom 15. Juli 2026
Autor: Meike Winter
Fotos: Don Ailinger
© Don Ailinger
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Kaum ein Thema rund um die Energiewende wird so emotional diskutiert wie die Windenergie. Dabei kursieren immer wieder ähnliche Aussagen und Befürchtungen. Aber was steckt tatsächlich dahinter? Und warum ist Windenergie so wichtig?

Wind ist eine besonders kostengünstige und ressourcenschonende Energiequelle, die auch in unserer Region an vielen Stellen genutzt werden könnte. Der Strom aus Windenergie kann dezentral gewonnen und vor Ort verbraucht werden. Der Flächenverbrauch ist im Verhältnis zur Energieausbeute gering. Expert:innen wie Fachverbände und Umweltschutzorganisationen werben dafür, beim Thema Windenergie genauer hinzuschauen.

Werden große Waldflächen für den Bau von Windrädern zerstört?
Natürlich brauchen Windkraftanlagen Platz. Tatsächlich ist die dauerhaft benötigte Fläche meist deutlich kleiner, als vermutet. Für Fundament, Zufahrtswege und Wartungsflächen wird pro Windrad im Durchschnitt etwa ein halbes Fußballfeld Fläche benötigt. Ein Teil der Flächen wird nur während der Bauzeit genutzt und später wieder aufgeforstet. Viele Fachleute weisen außerdem darauf hin, dass der Klimawandel selbst inzwischen eine der größten Bedrohungen für unsere Wälder ist. Trockenheit, Hitze und Schädlingsbefall setzen vielen Regionen stark zu. Obwohl der Bau von Anlagen für erneuerbare Energien auch Eingriffe in die Natur mit sich bringt, ist ihr Ausbau ein wichtiger Beitrag, um die größeren langfristigen Gefahren für Wälder durch den Klimawandel zu reduzieren. Im Verhältnis zur erzeugten Strommenge gilt Wind­ener­gie außerdem als effizient, denn schon kleine Flächen können einen wichtigen Beitrag zur Stromversorgung leisten.

Ist es nicht sehr teuer, Windräder zu bauen und zu nutzen?
Dieser Eindruck entstand vor allem in den Anfangsjahren der Technologie. Inzwischen zählen moderne Windkraftanlagen zu den kostengünstigeren Formen der Stromerzeugung. Hinzu kommt: Bei fossilen Energieträgern werden Umwelt- und Klimafolgekosten oft nicht eingerechnet. Viele Expert:innen betrachten erneuerbare Energien deshalb langfristig als wirtschaftlich sinnvolle Lösung. Tatsächlich zeigen viele aktuelle Vergleiche, dass neue Windkraftanlagen deutlich günstiger gebaut werden können als beispielsweise neue Kernkraftwerke. Für die Leistung eines großen Atomkraftwerks sind zwar mehrere Hundert Windräder nötig, die gesamten Investitions- , Betriebs- und Rückbaukosten liegen dennoch deutlich niedriger.

Und wie sieht es mit der Umweltbilanz von Windrädern aus?
Die Herstellung, der Transport und Aufbau von Windrädern gelingt nicht ohne den Einsatz von Energie und Rohstoffen. Moderne Anlagen erzeugen jedoch bereits nach kurzer Zeit so viel Energie, wie zuvor für ihre Produktion eingesetzt wurde: Bei einer typischen Onshore-Wind-energieanlage gehen Studien davon aus, dass abhängig von der Windmenge nach sechs bis zwölf Monaten mehr CO2 eingespart wird, als für Herstellung, Transport und Bau entstanden ist. Über ihre gesamte Lebensdauer hinweg erzeugen Windkraftanlagen große Strommengen ohne weitere CO2-Emissionen. Zudem ist der größte Teil von Windenergieanlagen recyclebar.

Aber Windräder verschandeln die Landschaft?
Ob Windkraftanlagen als störend empfunden werden, wird sehr unterschiedlich bewertet. Klar ist, dass sie das gewohnte Landschaftsbild sichtbar verändern. Darin kann man ein Zeichen für Klimaschutz und moderne Energieversorgung sehen. Viele Regionen sind schon seit Jahrzehnten von Energieerzeugung aus Kohleabbau, Kernenergie oder auch Windenergie sichtbar geprägt. Zur Verhinderung eines noch kostenintensiveren Netzausbaus ist eine dezentrale Energieerzeugung unerlässlich.

Macht Infraschall durch Windräder krank?
Windkraftanlagen erzeugen tiefe Schallwellen, den sogenannten Infraschall. Messungen zeigen, dass die Werte in nahegelegenen Wohngebieten meist deutlich niedriger liegen als beispielsweise im Straßenverkehr oder in einem Auto bei hoher Geschwindigkeit. Ab wenigen Hundert Metern ist der Infraschall so gering, dass er für Menschen nicht mehr wahrnehmbar ist. Gesetze wie das Bundesimmissionsschutzgesetzt schreiben diese Grenze als Mindestabstand zu bewohnten Gebieten fest. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten bislang keinen Nachweis erbringen, dass der Infraschall von Windrädern im Rahmen dieser Abstände negativen Einfluss auf die Gesundheit hat. Trotzdem müssen die Sorgen von Anwohner:innen ernst genommen werden. Transparente Informationen und eine frühzeitige Einbindung können helfen, Akzeptanz und Vertrauen zu stärken.

Sind Windräder gefährlich für Vögel?
Tatsächlich können Windenergieanlagen für Fledermäuse und Vögel ein Risiko darstellen. Deshalb werden bei der Planung umfangreiche Umweltprüfungen durchgeführt. Besonders sensible Lebensräume und wichtige Zugrouten werden geschützt. Moderne Technik und intelligente Abschaltsysteme helfen zusätzlich dabei, Risiken für Luftbewohner weiter zu reduzieren. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Verkehr, intensive Landwirtschaft oder spiegelnde Glasfassaden deutlich größere Auswirkungen auf viele Vogelarten haben.

Wieso werden die Windräder nicht irgendwo ins Meer gebaut, wo sie niemanden stören?
Tatsächlich entstehen bereits viele Windparks im Meer, sogenannte Offshore-Anlagen. Allerdings ist der Bau auf See deutlich aufwendiger und teurer als an Land. Fundamente im Meer, Wartungsschiffe, Unterwasserkabel und lange Stromleitungen verursachen hohe Kosten. Außerdem wird der Strom weit entfernt von den Regionen erzeugt, in denen er später gebraucht wird. Je größer die Entfernung zwischen Windpark und Verbrauchern, desto mehr Stromtrassen werden benötigt. Eine stabile und zukunftsorientierte Stromversorgung erfordert eine dezentrale Energieerzeugung. Erneuerbare Energieerzeugung bringt die Erzeugung näher zum Verbraucher und reduziert damit Netzausbaukosten und Stromverluste.

Wie gehen andere Länder mit dem Thema um?
Tatsächlich zeigen internationale Beispiele, dass Windkraft in vielen Ländern eine hohe Akzeptanz erreichen kann. Das gelingt besonders dort, wo Menschen früh in Projekte eingebunden werden oder Kommunen wirtschaftlich profitieren. Länder wie Dänemark, Portugal oder Spanien nutzen Windenergie bereits seit vielen Jahren erfolgreich. Gleichzeitig zeigt sich fast überall: Die Zustimmung ist meist dann am größten, wenn Standorte transparent geplant und Anwohner:innen früh beteiligt werden.

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